Farbvererbung beim Hund – Teil 4

By Jaqueline de Chien|Hunde-Genetik

In den ersten beiden Teilen ging es um die Grundfarben von Hunden. Im dritten Teil kam die Farbaufhellung dazu. Im vierten Teil beschäftigen wir uns nun mit der interessanten Fellfärbung Merle.

Das Merle-Gen
Die Merle-Zeichung entsteht dadurch, dass einige Fellbereiche von der Grundfarbe schwarz oder rot in unterschiedlichem Ausmaß aufgehellt werden. Hunde mit der Merle-Zeichung sehen gescheckt aus, wobei das Ausmaß der normal gefärbten und der aufgehellten Bereiche von Hund zu Hund stark variieren kann. Auch beim gemerlten Hund gibt es Abzeichen. Diese Merle-Zeichnung kommt bei folgenden Rassen vor: Australian Shepherd, Collie, Border Collie, Dackel, Berger des Pyrénées, Chihuahua, Cardigan Welsh Corgi, American Pitbull Terrier, Pudel, Sheltie, Deutsche Dogge, Altdeutscher Hütehund (Tiger).

Die Merle-Fellzeichnung kommt durch das irreguläre Aufhellen des Eumelanins, so dass beim blue-merle schwarze Haare blau und beim red-merle rote/braune Haare beige erscheinen. Das Phäomelanin bleibt unverändert. So dass der Hund Eumelanin produzieren muss, damit man diese Färbung sehen kann. Bei gemerlten Hunden finden man auch häufig teilweise oder vollständig blaue Augen.

Leider ist das Merle-Gen auch mit Missbildungen am Auge und Ohr assoziiert. Wenn ein Hund nur ein Allel für die Merle-Färbung trägt, ist er im Normalfall gesund, trägt er aber zwei Kopien des mutierten Gens, dann treten diese Missbildungen auf. Diese Hunde sind meistens überwiegend weiß gefärbt und zeigen Innenohrtaubheit und am Auge, u.a. Heterchromia iridis (blaue Iris), Kolobome (fehlende Stücke der Iris), Mikrophthalmie (zu kleiner Augapfel), Anophthalmie (es gibt keinen Augapfel), Dyskorie (ungleiche Pupillenweite), Netzhautablösung. Außerdem können auch andere Organe Fehlbildungen aufweisen. Die homozygoten Merle-Hunde sind also meistens taub und/oder blind. Es gibt allerdings auch homozygote Merle-Hunde, die ganz normal aussehen und heterozygote Merle-Hunde, die sehr weiß sind. So dass man von der Farbe nicht 100% auf den genetischen Hintergrund des Hundes schließen kann.

Die ursächliche Mutation für diese Färbung wurde 2006 im SILV-Gen entdeckt. Das SILV-Gen ist an der Melanosomenreifung beteiligt. Auch bei anderen Tierarten wurden Mutationen in diesem Gen gefunden, die zu Fellfarbveränderungen führen: Schwarze Mäuse werden Silber (daher der Name SILV), die typische Färbung der Charolais-Rinder ist auch auf eine Mutation im SILV-Gen zurückzuführen, genauso wie die silver Färbung der windfarbenen Pferde und auch bei Hühnern hängt die Federfarbe von Mutationen in diesem Gen ab. Beim Hund liegt das SILV-Gen auf dem Chromosom 10. Im 11. Exon (kodierende Sequenz) ist bei der mutierten Version ein DNA-Stück von ca. 250 bp am Übergang vom 10.Intron zum 11. Exon eingefügt. Dabei handelt es sich um eine SINE-Insertion. Dies ist ein sogenanntes springendes Gen und man vermutet, dass diese ihren Ursprung in Viren haben könnten. Im Genom gibt es viele solcher SINE-Elemente und es kommt immer mal wieder vor, dass sie an anderen Stelle im Genom wiederauftauchen.

Da jeder Hund an jedem Genort zwei Allele trägt, kommen folgende möglichen Genotypen vor:

MM = homozygot merlefarbener Hund (meist krank)
Mm = heterozygot merlefarbener Hund
mm = solid Hund

Dabei ist das mutierte Gen dominant gegenüber dem normalen Gen. Daher zeigen auch Hunde mit einem mutierten Allel die interessante Fellfärbung. Bei Verpaarungen von Merle-Hunden sollte man darauf achten, dass keine homozygoten Merle-Hunde entstehen können. Dies vermeidet man ganz einfach, indem man heterozygote Merle-Hunde nur mit Solid-Hunden anpaart und homozygote Merle-Hunde ganz von der Zucht ausschließt. Die Verpaarung von MerlexMerle ist in Deutschland nach §11 b des Tierschutzgesetzes verboten und fällt unter die Qualzucht.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sogenannte Phantom-Merles oder cryptic merles gibt, bei denen man die Merle-Färbung nur an kleinen Bereichen ansieht und diese durch Kupieren der Rute oder Ohren noch verschwinden können. Diese Hunde geben an ihre Nachkommen die normale Merle-Färbung weiter. Bei diesen Hunden besteht allerdings die Gefahr, dass man den falschen Paarungspartner wählt. Inzwischen ist es ja nun möglich im Zweifel genetisch abzuklären, ob der Hund Merle ist oder nicht.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass es bisher nicht hinreichend geklärt ist, ob die mit der Merle-Färbung assoziierten Missbildungen eventuell durch ein weiteres Gen verursacht werden. Wobei dann die Mutation des zweiten Gens nur zum Tragen kommt, wenn das mutierte SILV-Gen vorliegt. Weitere Forschung wird hier wohl irgendwann auch Klärung bringen.


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